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Eine Reise durchs MZ-800-Wunderland

Zum Sharp MZ-800 habe ich eine lange und „innige“ Beziehung, denn er ist ein ganz besonderer Rechner: Als junger Spund im zarten Grundschulalter war dies der erste „PC“, den ich mein Eigen nennen durfte. Seine Fähigkeiten waren schon damals arg begrenzt. Hätte man ihn neben andere Maschinen der mittleren 80er Jahre gestellt, wäre er vor Neid erblasst und sein Nutzer hätte sich vor Scham unter dem nächsten Tisch verkrochen. 1984, im Jahre seiner Herstellung, erblickte beispielsweise der erste Macintosh das Licht der Welt.

Technik

Die technischen Eckdaten des MZ-800 interessierten mich damals herzlich wenig. Die halsbrecherischen 3,54 MHz seiner Z80A-CPU und seine üppigen 64 KB RAM ließen sich erstaunlich vielseitig einsetzen. Neben den allgegenwärtigen Spielen der damaligen Zeit waren dies Anwendungsprogramme wie Textverarbeitung und Datenbank. Vor allem aber war er dank eines BASIC-Interpreters für eigene Entwicklungen offen, was schon bald den Hauptanreiz ausmachte. Leider bin ich damals nie dazu gekommen, mich hardwarenäher mit dem MZ-800 auseinanderzusetzen; dazu fehlten mir im Prä-Internetzeitalter leider die Informationsquellen.

Speichermedien

Es stand ein üppiges Sammelsurium an Speichermedien zur Verfügung. Neben der „Datasette“ (eigentlich normale Kassetten) war dies ein 5,25"-Floppylaufwerk, das einen Höllenlärm machen konnte, sowie ein Medium namens Quickdisk. Letzteres war eine Eigenentwicklung der Firma Sharp, über die ich nicht viel zu berichten weiß, weil ich niemals ein Exemplar in den Händen halten konnte. Sehr viel „quicker“ als das 5,25"-Floppylaufwerk kann es aber nicht gewesen sein.

Mein MZ-800 war äußerst luxuriös ausgestattet, hatte er doch gleich ein Doppel-Floppylaufwerk. Diese Konstellation machte das Anfertigen von (legalen!) Sicherungskopien zum Kinderspiel. Leider habe ich damals vegessen, von einigen wichtigen Bootdisketten („Master-Disketten“ im Sharp-Jargon) Backups anzulegen, was leider später zu einer dunklen Epoche führen sollte.

MZ-700-Modus

Der MZ-800 konnte sich in den Modus seines Vorgängermodells MZ-700 begeben, um alte Software lauffähig zu halten. Ein Großteil der Spiele meiner Sammlung sind nur im MZ-700-Modus ausführbar. Unglücklicherweise gingen – wie bereits zaghaft angedeutet – irgendwann die MZ-700-Disketten zu Bruch, sodass ich nunmehr nur noch arbeiten konnte. Im Anschluss löschte ein Familienmitglied tollpatschig die Textverarbeitung Wordstar und es blieben lediglich Datenbank, BASIC-Interpreter und ein paar MZ-800-Spiele übrig. Erst eineinhalb Jahrzehnte später konnte ich bis auf Wordstar dank Rettung durch Karl-Heinz Mau den MZ-700-Modus wieder zum Leben erwecken.

Die Grafikausgabe erfolgte wahlweise per Antennenkabel entweder auf einen Monitor oder auf einen Fernseher. Da der Sharp-Farbmonitor nicht meiner Sammlung zuzurechnen ist, musste ich mich mit einem Monochrom-Monitor in schicken Bernsteinfarben begnügen.

Erst sehr spät zu mir gestoßen ist ein passender Plotter. Auf diesem lassen sich auf ca. 10 cm breitem Endlospapier die eigenen grafischen Meisterwerke verewigen – und das in bis zu vier Farben. Allerdings sollte man in der heutigen Zeit sparsam plotten – kompatible Stifte sind rar.

Zukunft

Die Firma Zilog, die Mutter der Z80(A)-CPU, prognostizierte vor einigen Jahren eine Gesamtlebenserwartung des Prozessors von ca. 20 bis 25 Jahren. Nun befinden sich meine beiden MZ-Rechner, beide Baujahr 1984, also im kritischen Alter (auch wenn die MZ-Prozessoren von Sharp als „LH0080A“ in Lizenz gefertigt wurden). Beruhigend ist für mich allerdings zu wissen, dass viel ältere Z80-Modelle bis heute in einem funktionstüchtigen Zustand sind.

Sollte es wirklich mal dazu kommen und beide Modelle ausfallen, so gibt es als Trostpflaster derzeit einige Emulatoren. Aber natürlich kann kein noch so guter Emulator das Gefühl ersetzen, vor einem echten MZ-800 zu sitzen. Es ist vielleicht kein herausragender Rechner, dafür aber ein besonderer. Amen.